Von Stefan Moll, Pfarrer Evangelisch-methodistische Kirche Zofingen

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre Einladung und für die Möglichkeit, hier zu sprechen. Diese Einladung hat mich sehr bewegt und es ist mir eine grosse Ehre, dass ich heute als Christ hier sein kann. Ich gratuliere Ihnen herzlich, dass Sie dieses Minarett hier trotz vieler Widerständen einweihen können und ich freue mich mit Ihnen.

Es bedeutet Ihnen, wie Sie schreiben, ein Stück Heimat. Mir als Christ bedeutet es ein Stück Freiheit. Religionsfreiheit ist selbstverständlich nicht mit einem Minarett zu erringen und auch nicht mit einem Kirchturm. Religionsfreiheit lebt von der gegenseitigen Anerkennung und vom Respekt. Und diese braucht ein gegenseitiges Interesse an einander. Wenn man sich aber nicht kennt, wird kaum ein tragfähiges Miteinander zwischen Religionsgemeinschaften entstehen.

Zur Religionsfreiheit müssen wir Sorge tragen. Die Evangelisch-methodistische Kirche, zu der ich gehöre, betont in ihren „Sozialen Grundsätzen“ den Schutz religiöser Minderheiten: „Wir drängen auf eine Politik und Praxis, die die Rechte jeder Religionsgruppe sichert, ihren Glauben frei von gesetzlichen, politischen oder wirtschaftlichen Schranken auszuüben. Wir verurteilen jede offene oder verdeckte Form religiöser Intoleranz.“ Der Bau Ihres Minaretts ist zu einem Symbol geworden für diese Freiheiten. Diese Freiheit gilt es zu feiern.

Es ist für mich ein ganz wichtiges Anliegen, dass Muslime und Christen die Religionsfreiheit gemeinsam verteidigen. Die sog. ‚Minarettinitiative’ will diese untergraben. Wir müssen dazu beitragen, dass politische Parteien religiöse Werte nicht für ihre Anliegen missbrauchen.  Die Intoleranz wird zunehmen, wenn die Angehörigen verschiedener Religionen einander fremd bleiben. Wie gehen wir – Christen wie Muslime – damit um, wenn in den eigenen Reihen Leute aufstehen, welche andere Religionen nicht respektieren oder sogar offen bekämpfen wollen? Wir müssen uns auch fragen, wie wir mit Menschen umgehen, welche die Religion wechseln. Was löst das zum Beispiel bei uns aus, wenn Christen zum Islam übertreten? Und wie reagieren wir, Sie und ich, wenn Muslime zu Christen werden?

An solchen Fragen zeigt es sich, ob es uns ernst ist mit der Religionsfreiheit. Ich bin Ihnen sehr dankbar, wenn sie mithelfen, diese zu verteidigen. Und ich bitte Sie ausdrücklich, sich in der Schweiz, aber auch in muslimischen Ländern dafür einzusetzen, dass alle Religionen in derselben Freiheit ausgelebt werden können. Helfen Sie mit, in dem Sie von Ihren Erfahrungen mit dieser Freiheit erzählen.

Sie haben im ganzen Bewilligungsverfahren auch viel Widerstand von Christen erlebt. Ich bedaure das sehr. Diese Stimmen sind manchmal sehr laut. Sie sollen wissen, dass viele Christen anders denken. Als Christ fühle ich mich dem Gebot Jesu zur Nächstenliebe verpflichtet. Ich hoffe, dass Sie mich – auch wenn ich Christ bin - immer als einen Freund von Ihnen wahrnehmen. Ich hoffe, dass es mir gelingen wird, zu allen Menschen zu stehen. Heute habe ich ein Stück von dieser Freundschaft erlebt, weil Sie mich eingeladen haben. In diesem Sinn hoffe und bete ich, dass sowohl die Islamische Glaubensgemeinschaft als auch die Christen einen wichtigen Beitrag leisten, wenn in unserer Gesellschaft Probleme anstehen. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen, dass Sie in Ihrem Glauben Halt und Orientierung, Erfüllung und Frieden finden. – Vielen Dank.

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